„CDU im Dialog“ in Flacht: Kirche als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens im Wandel
Zum 127. Mal hatte die CDU-Kreistagsfraktion Rhein-Lahn zur Veranstaltungsreihe „CDU im Dialog“ eingeladen. Veranstaltungsort war diesmal die evangelische Kirche in Flacht. Der Vorsitzende der CDU Rhein-Lahn, Matthias Lammert (MdL), begrüßte auch im Namen des Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Jens Güllering, zahlreiche Gäste und zeigte sich erfreut über das Interesse an der Veranstaltung. Unter den Teilnehmern befanden sich unter anderem der Ortsbürgermeister von Niederneisen, Armin Bendel, dessen langjähriger Vorgänger Karl-Werner Jüngst, weitere kommunale Mandatsträger sowie der Erste Kreisbeigeordnete Marcel Willig.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Geschichte der evangelischen Kirche in Flacht, die Pfarrer Klaus Wallrabenstein eindrucksvoll erläuterte. Die Kirche gilt als bedeutendes Kulturdenkmal der Region und blickt auf eine lange Historie zurück. Bereits bei der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes im Jahr 881 soll es einen hölzernen Vorgängerbau gegeben haben. Vor 1226 ging die Pfarrei an das St. Florinstift in Koblenz über; zu diesem Zeitpunkt bestand bereits ein steinernes Kirchengebäude.
Besonders beeindruckend sind bis heute der rund 30 Meter hohe romanische Westturm sowie der gotische Chor mit Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert. Der markante Turmhelm wurde als sogenanntes Rhombendach, auch „Rheinischer Helm“ genannt, ausgeführt. Um 1700 wurde das Kirchenschiff im Barockstil neu errichtet und 1778 nochmals umgestaltet. Zuletzt erfolgte zwischen 2019 und 2021 eine umfassende Renovierung der Kirche, bei der Dach, Technik und Inneneinrichtung erneuert wurden. Die letzte große Innenrenovierung liegt bereits in den 1970er Jahren zurück. Für das kommende Jahr hofft die Kirchengemeinde auf weitere notwendige Sanierungsmaßnahmen.
Pfarrer Wallrabenstein spannte den Bogen zudem zu den Herausforderungen vergangener Jahrhunderte. Er erinnerte an die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, an Pest und Hungersnöte sowie an die drastische Reduzierung der Bevölkerung. Auch die Beschlagnahmung von Kirchenglocken während der beiden Weltkriege wurde thematisiert.
In der anschließenden Diskussion standen die Veränderungen im ländlichen Raum im Fokus. Während die Dörfer früher stark landwirtschaftlich geprägt gewesen seien, gebe es heute nur noch wenige Haupterwerbslandwirte. Viele Menschen erledigten ihre Einkäufe mittlerweile in den größeren Nachbargemeinden, wodurch örtliche Treffpunkte zunehmend verloren gingen. Hier versuche die Kirche durch Angebote vor Ort entgegenzusteuern.
Auch die Rolle der Kirche als gesellschaftlicher Träger wurde angesprochen. Die evangelische Kirche betreibt zwei Kindertagesstätten und steht dabei – wie viele andere Träger – vor großen personellen und finanziellen Herausforderungen. Zudem wurde die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder thematisiert. Heute gehöre weniger als die Hälfte der Bevölkerung einer großen Kirche an. Dies habe unmittelbare Auswirkungen auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kirchen und damit auch auf Angebote wie Kindertagesstätten oder Gemeindearbeit. Gleichzeitig sinke die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer sowie der Gottesdienstbesucher, sodass Kirchengemeinden zunehmend zusammengelegt werden müssten.
Der stv. Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Günter Groß dankte Pfarrer Wallrabenstein für die interessanten Einblicke und stellte am Ende fest, dass die Veranstaltungsreihe „CDU im Dialog“ damit erneut Gelegenheit bot, Geschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen vor Ort miteinander zu verbinden und gemeinsam ins Gespräch zu kommen.
Die nächste Veranstaltung der Reihe „CDU im Dialog“ findet am 15. Juni statt.
Bildunterschrift:
Foto: Marcel Willig / CDU
